Süchtig ein Leben lang
mit diesem Vorsatz geht der 21-jährige Ex-Drogensüchtige immer noch durchs Leben. An einem Montag besuchte er uns, die Klasse M10a in Germaringen.„Heute will ich clean bleiben“
Er erzählte uns, dass alles mit 14 Jahren begann, als sein Vater sich Jahre vorher umbrachte, fehlendes Selbstbewusstsein und sein mangelndes Selbstwertgefühl brachten ihn dazu Drogen zu nehmen. An diesem Tag rauchte er bei einem Freund das erste Mal Haschisch. Anfangs rauchte er nur gelegentlich bis er dann fast täglich kiffte.
Um sich den Drogenkonsum zu finanzieren, beklaute er seine Familie. Damals hatte er noch Respekt vor harten Drogen.
2001 wurde er von der Polizei mit Haschisch erwischt. Dies führte dazu, dass er „freiwillig“ in die Jugendpsychiatrie nach Augsburg ging. Nach dem sechswöchigen Aufenthalt musste er je einmal in der Woche zum Drogentest im Zeitraum von zehn Wochen. Er hatte einen Rückfall, bei dem er Schmerzmittel nahm, die er von den Eltern seiner neuen Freundin klaute. Erst danach stellte er fest, dass die Medikamente in den Drogentests nicht zu sehen waren. Nach zwei Jahren fing er eine Ausbildung als Krankenpfleger an. Da das Krankenhaus einen großen Medikamentenbestand hatte, konnte er sich Medikamente leicht beschaffen, um seine Sucht zu stillen. Er bestellte auch viel übers Internet. Mit 17 Jahren erlitt er seinen ersten Zusammenbruch, einen epileptischen Anfall. Nach dem Absturz war er vier Monate lang clean.
2004 machte seine Freundin nach 3 Jahren mit ihm Schluss.
„Ich wollte mich selbst nicht mehr spüren“
Mit diesem Gedanken fing er an alle möglichen Arten von Drogen zu nehmen, durch diesen Konsum wurde ein Nierenversagen hervorgerufen. Im Krankenhaus bekam er genau das Schmerzmittel nach dem er süchtig war.
Nach einem Aufenthalt in einer Psychiatrie in Augsburg, die er freiwillig besuchte, machte er wieder weiter mit seiner Ausbildung. Nach einer dreimonatigen Cleanphase fand er eine neue Freundin und fuhr einmal in der Woche nach Kempten in eine Selbsthilfegruppe. Danach blieb er wiederum drei Monate clean.
Nach dem sich wieder ein Mensch von ihm trennte erlitt er einen neuen Rückfall. Dies führte dazu, dass er Bekanntschaft mit einem Großdealer machte und so gut wie täglich Ecstasy und Speed konsumierte. Er nahm bis zu acht Tabletten Ecstasy und zwei Gramm Speed täglich.
Schulkameraden merkten, dass etwas nicht stimmte, aber keiner half ihm.
Er litt unter Depressionen, griff das erste Mal zu LSD, die für ihn gefährlichste Droge, die psychisch schnell abhängig machte.
Nach einer Überdosis LSD, erlitt er einen Horrortrip, den er versuchte mit kiffen zu neutralisieren, er war drei Tage krank geschrieben. Er versuchte es nun mit Kokain bis ihm das Geld ausging. Wegen mangelnden Geld besorgte er sich im Krankenhaus Morphium, damit fing er das Fixen an, womit sein Leben auf dem Spiel stand.
Nun erlitt er seinen zweiten Krampfanfall. Er weigerte sich ins Krankenhaus zu gehen, weil es sonst seine Ausbilder mitbekommen hätten. Darauf machte er selbst einen Kalten Entzug, wobei die typischen Entzugserscheinungen auftraten wie z. B. Magenkrämpfe, Durchfall, Schweißausbrüche und jede Menge Schmerzen.
Nach dem misslungenen Kaltentzug spritzt er sich Kokain und konnte das Risiko nicht mehr einschätzen, er fixte jeden Tag. Bei einem sehr starkem Rückfall mischte er alles zusammen und spritze es sich.
„Ich will clean bleiben!“
Er ging ambulant ins BKH, hat dort jede Woche ein Drogentest gemacht, damit er drei Wochen clean war, um in eine Spezialklinik für Suchtkranke aufgenommen zu werden.
Nach einem sechswöchigen Aufenthalt wollte er die Ausbildung abbrechen, doch nach gutem zureden seiner Lehrer/Ausbilder, beendete er die Ausbildung mit einem Examen.
Seiner Meinung nach kann man niemanden vor der Drogensucht bewahren nur durch das, dass man die Stärken eines Kindes oder Jugendlichen fördert. Doch von den Drogen weg kommen kann nur jemand der es wirklich will.
Er ist nun seit drei Jahren clean, besucht trotzdem noch manchmal Selbsthilfegruppen, da er sich selbst immer noch als Süchtigen sieht.
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